RFID im Bau

BESTELLFORMULAR ZUM FORSCHUNGSBERICHT

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KURZBERICHT / SUMMARY ZUM DOWNLOAD (STAND 31.05.2008)

english: pdf InWeMo Kurzbericht Englisch (Executive Summary of the Research Project "InWeMo" - An integrated value-added model featuring Radio Frequency Identidification (RFID) technology in construction and real estate industry - Visions with focus on construction logistics)

deutsch: pdf InWeMo Kurzbericht

1 FORSCHUNGSZIEL

Die Radio Frequency Identification (RFID)-Technik erlebt seit einigen Jahren ein stetiges und rasantes Wachstum. Viele Vorteile der RFID-Technik gegenüber anderen Auto-ID-Systemen werden bereits in anderen Branchen genutzt. In der Baubranche ist ein Durchbruch bislang ausgeblieben. Die Vorteile der RFID-Technik können allerdings auch in der Baulogistik, speziell in der Material- und Personallogistik, genutzt werden, um die Ziele eines Bauprojekts hinsichtlich Terminen, Kosten und Qualität effizienter zu erreichen. Die RFID-Technik ermöglicht auf Basis der erfassten Daten einen funktionierenden durchgängigen Informationsaustausch i. V. m. einer Steuerung, Kontrolle und Dokumentation der zur Baustelle anzuliefernden Materialien entlang ihrer Wertschöpfungskette sowie der die Baustelle betretenden Personen in Echtzeit. Dies aufzuzeigen war u. a. das Ziel des Projektes „InWeMo“.

Der vorliegende Kurzbericht (der ausführliche Forschungsbericht wird in Kürze veröffentlicht) soll verdeutlichen, wie dieses Ziel durch die Entwicklung eines Modells „InWeMo“, welches einen durchgängigen Informationsaustausch zwischen allen am Bau Beteiligten gewährleisten kann, erreicht wurde. Die Umsetzung und Erprobung des Modells erfolgte anhand von Demonstratoren aus der Material- und Personallogistik.

Dabei ist darauf hinzuweisen, dass das Projekt „InWeMo“ eines von bisher vier Projekten der ARGE RFIDimBau ist, die vom Förderer gegründet wurde, um Doppelforschung im Bereich der baubezogenen RFID-Forschung zu vermeiden und Kompatibilität zwischen Forschungsergebnissen verschiedener RFID-Teilprojekte zu gewährleisten. Nachfolgende Abbildung zeigt den derzeitigen Aufbau der für weitere Teilprojekte offenen ARGE RFIDimBau, Phase 1.

arge1

Abb. ‎1 1: Zusammensetzung der ARGE RFIDimBau (Phase 1)

 2    DURCHFÜHRUNG DES FORSCHUNGSPROJEKTES

Im Folgenden werden die zur Erfüllung des Ziels wesentlichen Schritte sowie die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und ein abschließendes Fazit sowie ein Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf bzw. weitere Forschungsaktivitäten des Lehr- und Forschungsgebietes Baubetrieb und Bauwirtschaft (LuF B&B) zum Thema RFID in der Baulogistik gegeben.

Bei der Durchführung des Forschungsprojektes wurde wie folgt vorgegangen.

  • Als Basis für die Modellentwicklung und Demonstration mussten im Vorfeld diverse Recherchen durchgeführt werden:
  • Recherche zum aktuellen Stand der Baulogistik und Festlegung eigener Definitionen als Grundlage für den Kernuntersuchungsbereich im Rahmen des Forschungsprojektes (vgl. Forschungsbericht Kap. 3)
  • Recherche und Zusammenfassung bzgl. der Grundlagen zum elektronischen Datenaustausch, zur Warenwirtschaft, zur Identifizierung und Kennzeichnung sowie zu Ordnungs- und Klassifizierungssystemen und (Stamm-)Datenbanken (vgl. Forschungsbericht Kap. 4)
  • Durchführung einer Unternehmensbefragung in der deutschen Bauindustrie zum Thema „Zutritts- und Zufahrtskontrollsysteme für Baustellen“ (vgl. Forschungsbericht Kap. 5)
  •  Recherche, Zusammenfassung und Aufbereitung der bauspezifischen Grundlagen zum Einsatz der RFID-Technik im Vergleich zu anderen Auto-ID-Systemen (vgl. Forschungsbericht Kap. 6, 7, 8)
  • Recherche zum Stand der RFID-Anwendungen und baubezogener RFID-Forschung in der Bau- und Immobilienwirtschaft (national und international) (vgl. Forschungsbericht Kap. 9)
  • Die Ergebnisse dienten der Entwicklung des „InWeMo“:
  • Entwicklung des Modells „InWeMo“ zum Informationsaustausch und Darstellung der Schnittstellen zur ARGE RFIDimBau sowie zu weiteren Applikationen (vgl. Forschungsbericht Kap. 10)
  • Schließlich galt es, die Funktion des Modells zu demonstrieren:
  • Demonstration des Modells „InWeMo“ in Form des „RFID-Bauservers“ (Kerndemonstrator) anhand von Praxisbeispielen aus der Material- und Personallogistik (physische Demonstratoren) (vgl. Forschungsbericht Kap. 11)

Die Ergebnisse des Projektes werden im Folgenden zusammengefasst.

3    ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

3.1    Recherche zur Baulogistik

Um den Einsatz der RFID-Technik in der Baulogistik untersuchen zu können, legte der Verfasser folgende Definition für die Material- und Personallogistik fest:
 
Der Bereich der Versorgungslogistik wurde somit als Kernuntersuchungsbereich definiert. Dieser Bereich umfasst alle Aktivitäten der Realisierung und Steuerung, die eine termingerechte und kostenoptimale Versorgung der Baustelle mit den erforderlichen Objekten (z. B. Material und Personal) gewährleisten. Der Bereich der Versorgungslogistik endet mit dem Eintreffen der Objekte auf der Baustelle.

Somit wurde im Rahmen des Projektes untersucht, ob eine termingerechte und kostenoptimale Versorgung der Baustelle durch Objektein- und -ausgangserfassungen (Material und Personal) in Echtzeit entlang der Wertschöpfungskette i. V. m. der Kontrolle, der Steuerung und der Dokumentation durch Einsatz der RFID-Technik erreicht werden kann. Hierzu musste insbesonders im Bereich des Materials untersucht werden, inwieweit in der Bauwirtschaft entlang der Wertschöpfungskette einheitlich gekennzeichnet wird und wie Material an den Übergabe-Schnittstellen der am Bau Beteiligten identifiziert wird.

3.2    Recherche zur Kennzeichnung und Klassifizierung von Material

Die Ergebnisse zeigen, dass Baustoffhersteller und Zulieferer ihre Produkte auf unterschiedliche Art oder auch gar nicht kennzeichnen. Die Kennzeichnung erfolgt im Wesentlichen in Klarschrift. Falls Auto-ID-Systeme eingesetzt werden, dann handelt es sich um Barcode-Systeme.

Im Bereich der Baumärkte für Heimwerker findet die Kennzeichnung bereits auf hohem Niveau mit strichcodierter EAN statt. Die Warenkennzeichnung erfolgt ähnlich wie in einem Supermarkt. Bestellungen können durchgeführt, das Lager verwaltet sowie automatisch aufgefüllt und die Preise an der Kasse abgerechnet werden. Produktinformationen können durch Identifikationsnummern schnell abgerufen bzw. gefunden werden.

Bei einzelnen Baustoffhändlern findet bezüglich der Kennzeichnung bereits eine Wende statt. So werden immer mehr Produkte mittels Strichcode erfasst, was die Lagerhaltung vereinfacht und optimiert. Genutzt werden dabei die gleichen Geräte wie im Baumarkt. Hersteller und Händler sind dabei bzw. haben sich bereits auf einheitliche Systeme geeinigt.

In den Bauunternehmen werden Objekte zurzeit auf einfachste Weise mit Farbmarkierungen, Firmenaufklebern oder Stiften gekennzeichnet, um diese auf einfachste, jedoch wenig manipulationssichere Art dem Eigentümer zuordenbar zu machen. Ab einem bestimmten Wert werden, nicht zuletzt steuerlich veranlasst, Inventarnummern verwendet und häufig in Aufkleber- oder Etikettenform an den Objekten befestigt. Ein Strichcode auf der Baustelle wird aufgrund der beim Bauen unvermeidbaren Verunreinigungen oft als nicht praktikabel angesehen.

Grundsätzlich herrscht im Vergleich zu anderen Branchen ein enormer Nachholbedarf bei der Kennzeichnung von Objekten. Gerade die Kennzeichnung mittels RFID-Transpondern kann infolge der Möglichkeit der sichtkontaktfreien – also verschmutzungsunabhängigen – Identifizierung hier neue Möglichkeiten bieten. Hierbei sollte jedoch dafür gesorgt werden, dass neben der Kennzeichnung mittels RFID-Transpondern auch eine zuverlässige, manuell erfassbare Kennzeichnung auf anderem Weg erfolgt, da in vielen Prozessen die Identifizierung auch ohne RFID-Leser erforderlich sein wird und zudem eine Sicherheit für den Fall des Versagens des RFID-Transponders geschaffen werden sollte. In Fachkreisen besteht weitestgehend Einigkeit darüber, dass RFID-Transponder auch in der Zukunft i. d. R. nur als Ergänzung vorhandener Kennzeichnung eingesetzt werden, nicht jedoch als Ersatz für eine solche.

Klassifiziert werden im Baubereich zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Baugeschehens die unterschiedlichsten Bauprodukte, Leistungen und Informationen etc. Die Recherche zeigte, dass im Bauwesen eine Vielzahl an Klassifizierungssystemen eingesetzt wird. Am stärksten auf die Bauwirtschaft ausgerichtet erscheint das System bau:class. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich eines der Systeme durchsetzen wird oder ob es mehrere Systeme nebeneinander geben wird.

Das LuF B&B sieht in der Verbindung von produktneutralen Ausschreibungen mit klassifizierten Stammdatenbanken i. V. m. einer einheitlichen Kennzeichnung und Identifizierung (z. B. mit Hilfe der RFID-Technik) ein hohes Optimierungspotenzial. Durch eine solche Verbindung wäre es beispielsweise beim Wareneingang möglich zu kontrollieren, ob die angelieferten Materialien die Anforderungen der Ausschreibung erfüllen.

3.3    Recherchen zur RFID-Technik und zu RFID-Anwendungen in der Bau- und Immobilienwirtschaft

Um die Objektein- und -ausgangserfassung (Material und Personal) in Echtzeit entlang der Wertschöpfungskette i. V. m. der Kontrolle, der Steuerung und der Dokumentation durch Einsatz der RFID-Technik untersuchen zu können, war es wichtig, sich mit dem technisch Machbaren auseinanderzusetzen. Somit wurde eine intensive Recherche bzgl. der Grenzen der RFID-Technik und der speziellen Anforderungen der rauen Bedingungen auf einer Baustelle durchgeführt, ein Überblick über den Stand der RFID-Anwendungen in der Bau- und Immobilienwirtschaft (national und international) erstellt und Übertragungspotenzial untersucht. Auf der Grundlage der festgelegten Definition zur Material- und Personallogistik sowie der verschiedenen Recherchen konnten die Demonstratoren ausgewählt werden. Hierbei ist zu erwähnen, dass innerhalb der RFID-Technik jeder Frequenzbereich sowie aktive und passive Systeme für einen Teil der potenziellen Anwendungen geeignet ist. Daher wird es nicht dazu kommen, dass irgendwann eine einzige RFID-Technik für alle RFID-Anwendungen genutzt werden kann.

Allerdings können auf der Ebene des Informationsflusses technisch unterschiedliche RFID-Systeme (sowie weitere Auto-ID-Systeme) miteinander kombiniert werden, z. B. indem ein einheitliches und standardisiertes (sowie zu in anderen Auto-ID-Bereichen kompatibles) Nummersystem, wie z. B. der EPC, und das „Data-on-Network“-Prinzip verwendet wird. Von GS1/EPCglobal wird derzeit daher neben, der Standardisierung der Technik im HF- und UHF-Bereich insbesondere die des Nummernsystems EPC sowie die des Datenaustauschs bzw. der Schnittstellen im Informationsfluss vorangetrieben (vgl. das EPCglobal-Konzept zum „Internet der Dinge“).

3.4    Entwicklung des Modells „InWeMo“

Parallel zu den unterschiedlichen Recherchen entwickelte das LuF B&B das Modell „InWeMo“. Das „InWeMo“ basiert auf den Überlegungen des Netzwerkkonzeptes von EPCglobal. Das EPCglobal-Netzwerk wurde für andere Branchen entwickelt und befindet sich in einem weit fortgeschrittenen Entwicklungsstand. Nach reiflicher Prüfung dieses Netzwerks durch das LuF B&B kam dieses zu der Überzeugung, dass das Netzwerk durchaus Übertragungspotenzial auf die Bauwirtschaft bietet, was auch durch Projekte im Ausland bestätigt wird.

 

internet der dinge

Abb. ‎3 1: Übertragung des „Internets der Dinge“/ EPCglobal-Konzepts auf die Bauwirtschaft Applikationen (schematische Darstellung, besser lesbare Darstellung im Forschungsbericht)

 

Im Rahmen des Berichtes wurde das Modell „InWeMo“ anhand eines Beispiels aus der Bauwirtschaft an der Schnittstelle Zulieferer/Baustelle erläutert, und seine Umsetzung wurde im Rahmen von Praxistests erfolgreich demonstriert. Das Ergebnis zeigt, dass das Modell „InWeMo“ den geforderten Informationsaustausch in Echtzeit zwischen allen am Bau Beteiligten gewährleisten kann. Der Vorteil des Modells ist, dass es nicht nur informationsseitig die RFID-Technik vereinheitlicht, sondern dass sich auf Grund des „Data-on-Network“-Prinzips auch andere Auto-ID-Techniken integrieren lassen. Die Voraussetzung ist der Einsatz einheitlicher Standards. Sobald einheitliche Standards eingesetzt werden, können auch verschiedenste Applikationen der am Bau Beteiligten, welche mittels einer Auto-ID-Technik erzeugte/erfasste Daten nutzen, im „InWeMo“ integriert, so u. a. die Projekte der ARGE RFIDimBau-Partner, selbst wenn für Teilbereiche eine „Data-on-Tag“-Datenvorhaltung erfolgt. Nachfolgende Abbildung skizziert das hierzu in der ARGE RFIDimBau abgestimmte Schnittstellenkonzept (vgl. Forschungsbericht Kap. 10 und Anl. 10.2).

schnittstellen

Abb. ‎3 2: Schnittstellenkonzept der ARGE RFIDimBau mit dem im „RFID-Bauserver“ demonstrierten „InWeMo“ im Zentrum und den verschiedenen, das „Data-on-Network“-Prinzip nutzenden Applikationen (schematische Darstellung, besser lesbare Darstellung im Forschungsbericht)

3.5    Demonstratoren

Um das Modell „InWeMo“ in der Anwendung, d. h. in Form eines internetbasierten zentralen Informationsaustauschs bzgl. Eigenschafts- und Ereignisdaten zwischen allen am Bau Beteiligten zeigen zu können, wurde ein internetbasierter Kerndemonstrator (Demonstrator Nr. 1) in Form des „RFID-Bauservers“ i. V. m. verschiedenen Demonstratoren aus der Material- und Personallogistik aufgesetzt. Die Objektein- und -ausgangserfassung (Material und Personal) in Echtzeit entlang der Wertschöpfungskette i. V. m. der Kontrolle, der Steuerung und der Dokumentation durch Einsatz der RFID-Technik wurde durch die Demonstratoren Nr. 2, Nr. 3 und Nr. 4 umgesetzt (siehe nachfolgende Abbildung).

demonstratoren

Abb. ‎3 3: Übersicht der im Forschungsprojekt ausgewählten Demonstratoren

Die Demonstration des „InWeMo“, umgesetzt im „RFID-Bauserver“ (Demonstrator Nr. 1), erfolgte zunächst mit dem Demonstrator Nr. 2 erfolgreich zwischen einer Baustelle und der Alho Systembau GmbH. Über den „RFID-Bauserver“ können die Beteiligten die Informationen bezüglich des Warenein- und -ausgangs der Baustellencontainer erhalten.

Die Ergebnisse aus den Tests mit dem Demonstrator Nr. 2 zeigen, dass eine Materialein- und -ausgangserfassung i. V. m. einer Kontrolle, Steuerung und Dokumentation durch ein LKW-Portal mit der passiven UHF-Technik bei Containern funktioniert. Die Ergebnisse lassen sich, nach Einschätzung des LuF B&B, auf großformatige Objekte übertragen. Eine Aussage bezüglich der Auswahl geeigneter Technik sowie zum Aufbau eines RFID-LKW-Portals ist allerdings nicht pauschal möglich. Es bedarf hier einer Vielzahl an weiteren Untersuchungen, da jedes großformatige Objekt an sich betrachtet werden muss. Dies bedeutet jedoch zugleich, dass ein universelles RFID-Portal unter Nutzung der passiven UHF-Technik für Baustellen, an denen die Ladungen der unterschiedlichsten LKW erfasst werden, nicht realisierbar ist.

Anhand des Demonstrators Nr. 3 konnte gezeigt werden, dass eine Materialein- und -ausgangserfassung i. V. m. einer Kontrolle, Steuerung und Dokumentation durch einen Handleser mit der passiven UHF-Technik bei einer Inventarerfassung im Container funktioniert. Die für den Handleser programmierte Software ermöglicht es, Ereignisdaten im EPC IS für das „InWeMo“ bzw. den „RFID-Bauserver“ zur Verfügung zu stellen und die Informationen bezüglich des Warenein- und -ausgangs allen Beteiligten zur Verfügung zu stellen. Die Software erlaubt nicht nur einen Soll/Ist-Abgleich des Warenein- und -ausgangs von Inventar, sondern sie ist auf die Warenein- und -ausgangskontrolle einer Vielzahl von klein- und großformatigen Objekten übertragbar und wird daher voraussichtlich während weiterer Forschungsaktivitäten genutzt. Wichtig ist allerdings auch hier zu erwähnen, dass bei der Kennzeichnung aller zu erfassenden Objekte u. a. untersucht werden muss, an welcher Stelle der Transponder anzuordnen ist.

Die Ergebnisse des Demonstrators Nr. 4 (Personallogistik) zeigen, dass eine Kopplung der Zutrittskontrolle und Zeiterfassung in Form eines externen, bestehenden RFID-basierten Systems der Streif Baulogistik GmbH im LF-Frequenzbereich mit einem UHF-Portal zur Erfassung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA-Portal, vgl. Forschungsprojekt „RFID-Sicherheitstechnik“ des LuF B&B) erfolgreich durchgeführt werden konnte. Da das Platzangebot im Container nicht ausreichend war, konnte eine Vereinzelung jedoch nicht erfolgreich gewährleistet werden. Auch bei extremer Eingrenzung des RFID-Lesefelds wurde tlw. infolge von nicht beherrschbaren Reflexionen zusätzliche PSA erfasst (z. B. von den Personen, die bereits durch das Portal gegangen waren, sich allerdings noch nicht weit genug entfernt hatten). Aus diesem Grund wird im Rahmen folgender Projekte die PSA „personalisiert“ werden, sodass die Problematik der Vereinzelung „umgangen“ werden kann. Zudem wird es so auch möglich, zugleich etwaige seriennummerbezogene Daten in die Prüfung einzubeziehen, z. B. das Alter eines Helms oder die letzte Prüfung einer Absturzsicherung etc.

Eine Anbindung des modularen Konzeptes der Personallogistik an das „InWeMo“, ist technisch vorstellbar. Aufgrund datenschutzrechtlicher Fragestellungen bezüglich der Weitergabe von personenbezogenen Daten an Dritte bedarf es an dieser Stelle allerdings noch weiterer Forschung, insbesondere auch im Bereich der bereits bestehenden Sicherheitsmechanismen im für den Güterbereich angelegten EPCgobal-Konzept.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das LuF B&B z. B. eine RFID-basierte Erfassung (Ist) i. V. m. der Kontrolle (Soll/Ist-Abgleich) und der Dokumentation (Ist) von Objektein- bzw. -ausgangsströmen an den Werksein- und -ausfahrten sowie auf der Baustelle entlang der Wertschöpfungskette eines Objektes als machbar und sinnvoll ansieht. Hierbei kann die RFID-Technik u. a. zur zeitnahen Steuerung logistischer Prozesse (mod. Soll) genutzt werden. Es besteht jedoch noch Forschungsbedarf, z. B. zur Integration der RFID-basierten Erfassung in bestehende Prozesse sowie der Änderung der rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen.

Für den Einsatz auf Baustellen erscheinen zur Unterstützung von Prozessen in der Personallogistik primär stationäre Leser (insbesondere Terminal- und Gatelösungen), in der Materiallogistik eher mobile Handlesegeräte geeignet. In der Materiallogistik sind Gatelösungen eher bei den Herstellern oder Zulieferern, welche häufig einheitliche logistische Ladungseinheiten transportieren, geeignet. Eine Lösung für die Baustellenzufahrt soll im Folgeprojekt „RFID Baulogistikleiststand“ erarbeitet und aufgebaut werden.

Dabei soll auch das Thema Taggen von Mehrwegtransportbehältern und LKW bzw. Fahrzeugen in weiteren Forschungsaktivitäten genauer betrachtet werden, da ein Tagging auf Item-Ebene oft nicht sinnvoll bzw. auch nicht möglich sein wird.

4    AUSBLICK

In weiteren Forschungsaktivitäten des LuF B&B sollen die bisherigen Erkenntnisse in der Material- und Personallogistik verifiziert und innerhalb eines sog. „RFID-Baulogistikleitstands“ zu einem Gesamtkonzept vereint sowie auf Praxistauglichkeit geprüft und weiter entwickelt werden. Dieser „Baulogistikleitstand“ soll zum einen das Modell „InWeMo“ für einen durchgängigen Informationsaustausch zwischen den am Bau Beteiligten nutzen (vgl. Abb. 4-1, Pos. 6). Außerdem sollen die bisherigen Erkenntnisse bzgl. der Objektein- und -ausgangserfassung in Echtzeit i .V. m. der Kontrolle, Steuerung und Dokumentation aus dem Projekt „InWeMo“ integriert werden (vgl. Abb. 4-1, Pos. 1, Pos. 2 und Pos. 3). Die (teil-)automatisierte Steuerung kann z. B. in Form einer Steuerung eines Zufahrts- und Zutrittskontrollsystems oder der Initiierung von Materialbestellungen erfolgen. Die mit dem System erreichte (teil-) automatisierte Dokumentation z. B. von Objekteingangsdaten kann, z. B. durch eine Anbindung an elektronische Bautagebücher oder Warenwirtschaftssysteme, unwirtschaftliche manuelle Arbeiten reduzieren. Das System kann somit z. B. die Bauleitung entlasten. Zudem erhöhen sich die Datenverfügbarkeit und -qualität und somit die Logistikeffizienz. Des Weiteren wird im Rahmen dieses Projektes ein Konzept für einen Baustellenausweis als verbindendes Element in den personalbezogenen Applikationen des „RFID-Baulogistikleitstands“ entwickelt (vgl. Abb. 4-1, Pos. 7). Die Praxistests finden voraussichtlich auf der Baustelle „ThyssenKrupp Headquarter“ in Essen statt.

Das bisherige Konzept zur Entwicklung eines solchen „RFID-Baulogistikleitstands“ ist der nachfolgenden Abbildung zu entnehmen

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Abb. ‎4 1: „RFID-Baulogistikleitstand“- Weitere Forschungsaktivitäten des LuF B&B

5    FAZIT

Zusammenfassend kann am Ende des Forschungsprojektes „InWeMo“ festgehalten werden, dass die RFID-Technik ein großes Potenzial zur Optimierung baulogistischer Prozesse bietet. Um dieses Potenzial freizusetzen, besteht weiterer Forschungsbedarf insbesondere bzgl. der rechtlichen Fragestellungen und der Entwicklung praxistauglicher Anwendungen. Die Entwicklung solcher praxistauglichen Anwendungen sollte nach Einschätzung des LuF B&B aus den Mitteln der Bauforschung unterstützt werden, sofern sie sich an bereits bestehenden Standards und Gesamtkonzepten orientieren.

Die zu den praxistauglichen Anwendungen benötigte Grundlagenforschung bzgl. der reinen RFID-Technik sollte hingegen aus Mitteln außerhalb der Bauforschungsprogramme finanziert werden, so dass diese Mittel für die oben erwähnte demonstrative praxistaugliche Anwendungsentwicklung sowie für baubezogene Grundlagenforschung im Bereich der rechtlichen Möglichkeiten zur Einbindung der RFID-Technik in die Zusammenarbeit zwischen den am Bau Beteiligten eingesetzt werden können.

Ziel sollte es sein, die Bauwirtschaft durch die so entstehenden, auf technische und rechtliche Umsetzbarkeit geprüften Demonstratoren vom Potenzial der RFID-Technik in der Baulogistik zu überzeugen, so dass diese anschließend die Entwicklung fertiger Lösungen selbst vorantreibt. Allein das Aufzeigen von Visionen sowie die weitere reine Konzeptentwicklungen wird nach Einschätzung des Verfassers hingegen nicht ausreichend sein, um die Bauwirtschaft zu eigenen Entwicklungen anzuregen.